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Tag 10

10.50
Irgendwann ist der Hunger doch größer geworden, als die Bequemlichkeit, liegen zu bleiben. Also stehen wir auf. Steve gelingt es dabei nicht ganz, den Schlafsack, in dem ich liege, mit Hilfe brachialer Gewalt zu entfernen. Die Folge ist jedoch logisch – der Schlafsack zerreißt. Das anschließende Frühstück gleicht irgendwie dem gestrigen, mit dem Unterschied, daß jetzt alles alle ist. Unsere Vorräte bestehen aus Margarine, Honig und 2,5 l Fanta. Das muß bis morgen Mittag genügen.
12.30
Der Abschied unseres meistgenutzten Lagerplatzes ist da.
Doch der von uns gewünschte Rückenwind - wenigstens bis zur Schleuse - ist in einen starken Seitenwind umgeschlagen. In der Schleuse ging es heute recht zügig. Bereits 13.50 haben wir eingekauft und sind auf dem nächsten See. Und, zur großen Freude aller Anwesenden haben wir wen wieder getroffen ? Richtig. Die 4 hübschen Hallenser Mädels. Sie hatten die letzte Nacht zum Schutz vor dem Regen auf einem Zeltplatz verbracht. Der nun für meinen Geschmack zu kurz geratene Abschied wird wohl endgültig der letzte sein.
15.05
Wir sind bereits an der von uns damals als ersten durchquerten Schleuse. (Der Schleusenwärter erkennt uns sogar wieder.) Die letzten Seemeilen hatten wir Gegenwind. (Wir mußten zeitweise das Beiboot sogar ziehen.) Aber uns, den letzten wahren Seemännern, machte das natürlich überhaupt nichts aus.

Man über Bord !!

16.02
Kurz vor Erreichen unseres Endzielsees, der mit heftigem Seegang und Gegenwind auf uns wartet, gönnen wir uns eine letzte kleine Schokoladenpause.
16.22
Wir sind wieder hier (da). Der anschließende Zeltaufbau erfolgt im Regen. (Zumindest bei Timo und Steve. Andie und ich waren schon vor dem Regen fertig.) Als wir dann die Boote säubern, scheint die Sonne.
TD nach der Benutzung

19.15
PIZZA !!! Heiß begehrt und lang ersehnt frohlocken wir beim Anblick dieses zivilisierten Essens. Welch ein Gaumenschmauß. Die Boote und ein Teil unseres Krams verstauen wir jetzt schon in Timo´s Auto. An seiner Kofferraumklappe wurde bereits unsachgemäß das Opel-Symbol entfernt. Die Stimmung ist mau. Statt Lagerfeuer brennt eine simple Fackel und statt kühlem Bier gibt es lauwarmen Wein.

Sei gesegnet, Pizzabäcker :)

20.55
Es ist windig, kalt und außerdem machen in einer halben Stunde die Duschen zu. Für mich ist dies der ideale Zeitpunkt, die Mannschaft über ihre Meinung zu diesem Abenteuerurlaub zu befragen. (Sie empfinden solche Fragen von mir immer als Streß, aber ich weiß ja schließlich am besten, was gut für sie ist.)
Timo´s langweilige Meinung zu Aspekten der konstruktiven Kritik dieses literarischen Werkes bzw. der glorreichen Fahrt durch die wunderschönen Gewässer der Mecklenburgischen Seenplatte lautet: "Nachts ist es kälter als draußen.", "Zu Fuß ist es weiter als bis nach Bremen." und "Hör endlich auf mit dem Quatsch.". Jetzt, nach 10 Tagen auf der rauhen See schwimmen Timo´s Gedanken bereits in einer heißen Badewanne und bei einem kühlen Bier.
Andie wünscht sich für die nächste Tour einen wärmeren Schlafsack, mehr Essen, immer einen Lagerplatz am Wasser, aber mit Wald und Wiese zum Sterne beobachten und viel viel mehr Zeit.
Steve´s schönste Erinnerungen an diesen Urlaub sind (die wunderschönen, zu Tagträumen verleitenden und unendlich tiefen braunen Augen von Cornelia) die abenteuerliche Lagerfeuerromantik, das hemmungslose Ausleben der männlichen Kraft beim Paddeln gegen den Wind, wenn einem die Gischt der See ins Gesicht spritzt (Ich persönlich saß in solchen Situationen lieber hinten) und das Zusammentreffen mit friedlich gesinnten Camperinnen. (Und wenn ich schon einmal dabei bin, kann ich noch ein paar Kleinigkeiten von ihnen erwähnen.)
Timo erwähnt, daß ich des öfteren nerve (Der Junge hat etwas viel getrunken). Andie meint, dies wäre aber immer recht amüsant gewesen und hätte zur Belustigung der restlichen Mannschaft beigetragen. Sein anschließender Beitrag lautet: "Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön.". (Das sagt dann ja wohl alles.) Steve fand außerordentlich positiv, daß wir die Möglichkeit hatten, uns über unsere philosophischen Betrachtungen gegenseitig auszutauschen. (Da kann ich nur zustimmen, denn das taten wir mit Begeisterung und nicht nur einmal.) Allerdings bemängelt er das kalte Wetter am letzten Tag, daß den subjektiven Eindruck der gesamten Reise etwas negativer macht, als er eigentlich ist. (Er vermißt die Mädchen wohl mehr als ich dachte. Er ist auch nur ein Mann Mensch.)
21.57
Als wir total übermüdet ins Bett gehen wollen, ist draußen noch ein riesiger Krach. Die Kinderlein heutzutage sind mit 5- 10 Jahren noch Stunden länger auf den Beinen, als wir mit 20. Verdrehte Welt.
02.15
Draußen wird irgendwo eine Party gefeiert. Da wir bis jetzt nicht einschlafen konnten, (bis auf Andie, den haben wir wach gemacht) überkommt uns ein schier unstillbarer Durst. Unsere letzte Fanta muß dran glauben.